DMSO: Ein außergewöhnlicher Stoff mit über 150 Jahren faszinierender Geschichte
Manche Stoffe passen in keine einfache Schublade. DMSO – die Kurzform für Dimethylsulfoxid – gehört zweifellos dazu. Seit seiner ersten Synthese im Jahr 1866 entwickelte sich die unscheinbare Flüssigkeit vom chemischen Forschungsgegenstand zu einem vielseitig eingesetzten Stoff in Labor, Pharmazie, Zellforschung und Medizin.
Heute ist DMSO Lösungsmittel, pharmazeutischer Ausgangsstoff, Trägersubstanz und Kryoprotektivum. In einzelnen Ländern ist es zudem Bestandteil zugelassener Arzneimittel oder selbst deren Wirkstoff. Diese außergewöhnliche Entwicklung macht DMSO zu einem Stoff mit einer ebenso langen wie faszinierenden Geschichte.
Was ist DMSO?
Dimethylsulfoxid ist eine organische Schwefelverbindung mit der Summenformel C₂H₆OS. Reines DMSO ist bei Raumtemperatur eine klare, farblose und weitgehend geruchsarme Flüssigkeit.
Chemiker schätzen DMSO als sogenanntes polar-aprotisches Lösungsmittel. Vereinfacht gesagt kann es zahlreiche Stoffe lösen, die sich in Wasser oder gewöhnlichen organischen Lösungsmitteln nur schwer lösen lassen. Deshalb hat DMSO bis heute einen festen Platz in Laboren, Forschungseinrichtungen und unterschiedlichen technischen Herstellungsprozessen.
Eine weitere Besonderheit ist seine Fähigkeit, biologische Membranen zu durchdringen. Dabei kann DMSO auch die Aufnahme anderer gelöster Substanzen beeinflussen. Genau diese Eigenschaft machte den Stoff für die pharmazeutische und medizinische Forschung interessant – und erklärt zugleich, weshalb Reinheit und ein bewusster Umgang besonders wichtig sind.
Eine Entdeckung aus dem 19. Jahrhundert
Die Geschichte von DMSO beginnt bereits im Jahr 1866. Damals synthetisierte der russische Chemiker Alexander Zaytsev die Verbindung erstmals. Seine Forschungsergebnisse wurden im darauffolgenden Jahr veröffentlicht.
Zunächst blieb DMSO vorwiegend eine chemische Besonderheit. Erst viele Jahrzehnte später erkannte man, wie vielseitig die Substanz tatsächlich ist. In den 1940er- und 1950er-Jahren beschäftigten sich Wissenschaftler verstärkt mit ihren außergewöhnlichen Lösungsmitteleigenschaften.
In dieser Zeit wurde DMSO unter anderem im Umfeld der Holz- und Papierindustrie gewonnen. Ausgangspunkt waren schwefelhaltige Nebenprodukte der Zellstoffherstellung. Heute wird DMSO überwiegend mithilfe moderner chemischer Herstellungsverfahren produziert und anschließend für den jeweiligen Verwendungszweck aufbereitet und gereinigt.
DMSO als Schutz bei tiefen Temperaturen
In den 1950er-Jahren wurde eine weitere bemerkenswerte Eigenschaft von DMSO erforscht: Der Stoff kann bestimmte Zellen und biologische Gewebe beim Einfrieren vor Schäden durch die Bildung von Eiskristallen schützen.
Als sogenanntes Kryoprotektivum wird DMSO deshalb bis heute bei der Konservierung bestimmter Zellarten eingesetzt. Diese Eigenschaft spielt beispielsweise in der Zellbiologie, Stammzellforschung und medizinischen Forschung eine wichtige Rolle.
Das ist eine der weniger öffentlich bekannten Seiten von DMSO. Während viele Menschen den Stoff vor allem mit seinen Eigenschaften als Lösungsmittel verbinden, ist er in modernen Laboren zugleich ein wichtiges Hilfsmittel für die langfristige Aufbewahrung biologischer Proben.
Stanley Jacob und der Beginn der medizinischen Forschung
In den frühen 1960er-Jahren rückte DMSO verstärkt in den Fokus der medizinischen Forschung. Eine zentrale Rolle spielten dabei der amerikanische Chirurg Dr. Stanley W. Jacob und der Chemiker Robert Herschler.
Bei ihren Untersuchungen beschäftigten sie sich insbesondere mit der Fähigkeit von DMSO, die Haut und andere biologische Membranen zu durchdringen. Auch seine mögliche Bedeutung als Trägersubstanz für andere gelöste Stoffe stieß auf großes Interesse.
Diese Entdeckungen lösten eine ungewöhnlich breite Forschungsaktivität aus. In den folgenden Jahrzehnten wurde DMSO im Zusammenhang mit zahlreichen biologischen Vorgängen untersucht. Dazu gehörten unter anderem entzündungsbezogene Prozesse, oxidativer Stress, Gewebeschutz, Schmerzempfinden und die Aufnahme anderer Wirkstoffe.
Nicht jede wissenschaftlich erforschte Verwendung führte später zu einem zugelassenen Arzneimittel. Dennoch zeigt die große Bandbreite der Untersuchungen, weshalb DMSO bis heute das Interesse von Wissenschaftlern, Ärzten und informierten Anwendern weckt.
Wo ist DMSO medizinisch zugelassen?
Bei der Frage nach der Zulassung ist eine wichtige Unterscheidung erforderlich: Behörden erteilen keine allgemeine Zulassung für einen Stoff und sämtliche denkbaren Verwendungen. Eine Arzneimittelzulassung gilt immer für ein bestimmtes Präparat, eine festgelegte Zusammensetzung, eine Darreichungsform und ein genau definiertes Anwendungsgebiet.
DMSO kann daher in einem Land Bestandteil eines zugelassenen Arzneimittels sein, ohne dass damit jedes frei erhältliche DMSO-Produkt automatisch als Arzneimittel zugelassen wäre.
Nicht jede wissenschaftlich erforschte Verwendung führte später zu einem zugelassenen Arzneimittel. Dennoch zeigt die große Bandbreite der Untersuchungen, weshalb DMSO bis heute das Interesse von Wissenschaftlern, Ärzten und informierten Anwendern weckt.
DMSO in den USA
In den Vereinigten Staaten ließ die Food and Drug Administration im Jahr 1978 das verschreibungspflichtige Arzneimittel RIMSO-50 zu. Es enthält eine sterile, 50-prozentige DMSO-Lösung und wird unter ärztlicher Aufsicht direkt in die Harnblase eingebracht.
Das zugelassene Anwendungsgebiet ist die symptomatische Behandlung der interstitiellen Zystitis, einer chronischen Erkrankung der Harnblase. Die Zulassung gilt ausdrücklich für dieses Präparat, seine Darreichungsform und die festgelegte Indikation.
DMSO ist in den USA außerdem Bestandteil bestimmter äußerlich angewendeter Diclofenac-Arzneimittel. Dort unterstützt es als Hilfs- beziehungsweise Trägersubstanz die Aufnahme des eigentlichen Wirkstoffs durch die Haut.
DMSO in Kanada
Auch in Kanada ist DMSO für bestimmte medizinische Verwendungen anerkannt. Dazu zählen konkrete Anwendungen bei ausgewählten chronischen Erkrankungen des Urogenitaltrakts.
Darüber hinaus spielt DMSO als Kryoprotektivum bei der Konservierung von Knochenmark, Stammzellen und anderen biologischen Materialien eine Rolle.
DMSO in Europa und Deutschland
Innerhalb der Europäischen Union muss zwischen unterschiedlichen Produktkategorien unterschieden werden. DMSO kann beispielsweise als Chemikalie, Laborreagenz, pharmazeutischer Ausgangsstoff oder Bestandteil eines Arzneimittels angeboten werden. Für jede Kategorie gelten eigene rechtliche Anforderungen.
Das Europäische Arzneibuch enthält eine Monografie für Dimethylsulfoxid. Darin werden verbindliche Qualitäts- und Prüfanforderungen an den pharmazeutischen Ausgangsstoff beschrieben. Die Erfüllung der Ph.-Eur.-Spezifikation ist ein Qualitätsmerkmal, stellt allein aber noch keine Arzneimittelzulassung für ein konkretes Produkt oder Anwendungsgebiet dar.
In Deutschland kann sterile DMSO-Lösung im Rahmen einer ärztlich verordneten Apothekenrezeptur beispielsweise zur Blaseninstillation bei interstitieller Zystitis eingesetzt werden. Die aktuelle deutsche medizinische Leitlinie nennt eine sterile DMSO-Lösung als mögliche Zweitlinientherapie, die umsichtig und kontrolliert durchgeführt werden kann.
Ein entsprechendes steriles DMSO-Fertigarzneimittel ist in Deutschland derzeit jedoch nicht erhältlich. Beim medizinischen Einsatz handelt es sich somit nicht um die freie Anwendung eines handelsüblichen DMSO-Produkts, sondern um eine ärztlich begleitete Behandlung mit einer dafür vorgesehenen sterilen Zubereitung.
DMSO ist darüber hinaus als Hilfsstoff in bestimmten zugelassenen deutschen oder europäischen Arzneimitteln enthalten. Es kann dort beispielsweise als Lösungsmittel, Penetrationsvermittler oder Kryoprotektivum in Zell- und Stammzellpräparaten dienen. In diesen Fällen bezieht sich die Arzneimittelzulassung auf das vollständige Präparat – nicht auf DMSO als frei verwendbaren Einzelwirkstoff.
Sobald ein Produkt mit Aussagen zur Behandlung, Linderung oder Vorbeugung von Krankheiten beworben wird, kann es rechtlich als Arzneimittel eingestuft werden. Fertigarzneimittel dürfen in Deutschland grundsätzlich nur mit der erforderlichen Zulassung oder Registrierung in Verkehr gebracht werden.
Auch kosmetikrechtlich besitzt DMSO in der EU einen besonderen Status: Der Stoff ist in Anhang II der europäischen Kosmetikverordnung aufgeführt und darf daher nicht als Bestandteil kosmetischer Mittel verwendet werden. Davon zu unterscheiden ist der rechtmäßige Verkauf als Rohstoff oder Chemikalie für einen entsprechend ausgewiesenen Verwendungszweck.
Entscheidend sind somit nicht nur die chemische Identität und Reinheit des Stoffs, sondern auch die Aufmachung, Kennzeichnung, Bewerbung und vorgesehene Verwendung des jeweiligen Produkts.
Warum kristallisiert DMSO?

Eine charakteristische Eigenschaft von DMSO ist sein vergleichsweise hoher Schmelzpunkt von ungefähr 18 °C. Sinkt die Temperatur darunter, kann die Flüssigkeit teilweise oder vollständig kristallisieren.
Eine im Winter gelieferte Flasche kann daher fest oder von Kristallen durchzogen sein. Das ist eine normale physikalische Reaktion und weder ein Zeichen für Verunreinigung noch ein Qualitätsmangel.
Wird die geschlossene Flasche langsam und entsprechend den Produkthinweisen temperiert, geht das DMSO wieder in seinen flüssigen Zustand über. Die Qualität wird durch diesen gewöhnlichen Phasenwechsel grundsätzlich nicht beeinträchtigt.
Nicht jede wissenschaftlich erforschte Verwendung führte später zu einem zugelassenen Arzneimittel. Dennoch zeigt die große Bandbreite der Untersuchungen, weshalb DMSO bis heute das Interesse von Wissenschaftlern, Ärzten und informierten Anwendern weckt.
Weshalb die Reinheit besonders wichtig ist
DMSO kann biologische Barrieren durchdringen und die Aufnahme anderer gelöster Stoffe beeinflussen. Deshalb verdienen die Reinheit des Produkts, seine Verpackung und eine sorgfältige Handhabung besondere Aufmerksamkeit.
Beim Kauf sollte man unter anderem auf folgende Merkmale achten:
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einen klar ausgewiesenen Reinheitsgrad,
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eine nachvollziehbare Produktspezifikation,
- verfügbare Chargen- und Qualitätsangaben,
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eine geeignete Verpackung,
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ein aktuelles Sicherheitsdatenblatt,
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eindeutige Hinweise zu Lagerung und Handhabung.
Bezeichnungen wie „technische Qualität“, „Laborqualität“ oder „Ph. Eur.“ sind nicht beliebig austauschbar. Sie stehen für unterschiedliche Spezifikationen und vorgesehene Einsatzbereiche. Ein hoher Prozentwert allein sagt noch nicht, anhand welcher Prüfmethoden und Grenzwerte ein Produkt beurteilt wurde.
Die Angabe Ph. Eur. bedeutet, dass der Stoff die betreffende Monografie des Europäischen Arzneibuchs erfüllt. Dazu gehören definierte Prüfungen zur Identität, zum Gehalt und zu festgelegten Verunreinigungen. Sie beschreibt damit eine pharmazeutische Qualitätsspezifikation.
Ein Stoff zwischen Chemie, Forschung und Medizin
DMSO ist weder eine kurzlebige Entdeckung noch ein gewöhnliches Alltagsprodukt. Seit seiner ersten Synthese sind mehr als 150 Jahre vergangen. In dieser Zeit fand der Stoff seinen festen Platz in der organischen Chemie, in biologischen Laboren, bei der Kryokonservierung und in ausgewählten Arzneimitteln.
Gerade die Verbindung aus langer Geschichte und erstaunlicher Vielseitigkeit macht DMSO bis heute so interessant. Seine besonderen Eigenschaften eröffnen zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, verlangen aber zugleich nach fundiertem Wissen, einer klaren Produktkennzeichnung und einem verantwortungsbewussten Umgang.
Wer DMSO kaufen möchte, sollte deshalb nicht allein auf den Preis achten. Qualität, Spezifikation, Verpackung und transparente Produktinformationen sind mindestens ebenso wichtig.
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Weitere Angaben zur Spezifikation, Verpackung und vorgesehenen Verwendung findest du auf der Produktseite.
Wichtiger Hinweis und Quellen
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er stellt weder eine medizinische oder tiermedizinische Beratung noch eine Diagnose, Therapie- oder Anwendungsempfehlung dar. Unser DMSO darf ausschließlich entsprechend seiner Kennzeichnung und dem auf der Produktseite ausgewiesenen Verwendungszweck verwendet werden.
Die Angabe „Ph. Eur.“ bezeichnet eine Qualität nach den Anforderungen des Europäischen Arzneibuchs. Sie ist nicht mit der Zulassung des abgefüllten Produkts als Fertigarzneimittel gleichzusetzen. Bei gesundheitlichen Fragen sowie vor einer medizinischen Anwendung ist qualifiziertes medizinisches Fachpersonal zu konsultieren.
Die Angaben dieses Beitrags wurden nach bestem Wissen auf Grundlage der nachfolgenden Quellen zusammengestellt. Der Stand der Informationen und rechtliche Einordnungen können sich ändern.
Quellen und weiterführende Informationen:
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AWMF: S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Zystitis (IC/BPS), Kapitel „Dimethylsulfoxid (DMSO)“
https://register.awmf.org/assets/guidelines/043-050l_S2k_Diagnostik-Therapie-Interstitielle-Zystitis-IC-BPS_2025-07.pdf -
U.S. Food and Drug Administration: Zulassungsunterlagen und pharmakologische Informationen zu Dimethylsulfoxid und RIMSO-50
https://www.accessdata.fda.gov/drugsatfda_docs/nda/2009/020947s000pharmr.pdf -
DailyMed: RIMSO-50 – Dimethyl Sulfoxide Irrigant, offizielle Arzneimittelinformation
https://dailymed.nlm.nih.gov/dailymed/lookup.cfm?setid=58b25d79-78f2-4953-b0c6-61658dc4ef0d -
Health Canada: Use of DMSO – Facts and Bottom Line
https://www.canada.ca/content/dam/dnd-mdn/documents/health/nutrition/supplement-fact-sheet-dmso.pdf -
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Informationen zur Zulassung von Arzneimitteln in Deutschland
https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Zulassung/Zulassungsverfahren/Nationales-Verfahren/_node.html -
Europäische Union: Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, insbesondere Anhang II
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32009R1223 -
European Chemicals Agency: Stoffinformationen zu Dimethylsulfoxid, CAS 67-68-5
https://echa.europa.eu/substance-information/-/substanceinfo/100.000.604
Stand der Recherche: August 2026.
Bilder:
Alexander M. Zaytsev, 1871. Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Restliche Bilder: ChatGPT